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Ausstellung: 63 Schachteln voller Erbe

Schwäbischen Zeitung von Susi Weber

Ausstellung in Kißlegger Volksbank beschäftigt sich auf vielfältige Weise mit „Erbschaftsangelegenheiten“.

 

Über einen Scheck von der Volksbank über 1000 Euro für die Hospizgruppe freute sich Kassier Rudolf Schuler und der Vorsitzende der Hospizgruppe, Matthias Dörrer. Ebenfalls auf dem Foto: Künstlerin Silvia Häfele und Volksbank-Vorstand Josef Hudrus.

Kisslegg sz Es ist eine besondere Ausstellung, die seit Montagabend der Schalterhalle und dem Treppenhaus der Volksbank-Filiale Glanz verleiht: 63 Exponate erzählen auf ganz unterschiedliche Art und Weise – mal erheiternd, mal nachdenklich – von ganz individuellen „Erbschaftsangelegenheiten“. Geschaffen wurde das Projekt vor zweieinhalb Jahren von der Künstlerin Silvia Häfele in Zusammenarbeit mit der Hospizgruppe Balingen und dem Hospiz- und Palliativverband Baden-Württemberg. Nun ist die Ausstellung auf Betreiben der örtlichen Hospizgruppe auch in Kißlegg zu sehen.

Eine Bank und „Erbschaftsangelegenheiten“. Wer denkt da nicht an Geld? Dass es durchaus noch mehr als ausschließlich Materielles zu vererben gibt, vermittelt eine Ausstellung mit entsprechendem Titel seit Montag in der Volksbank auf sehr lebendige Weise. 63 Rahmen stellen sehr persönliche Geschichten und Einblicke vor, die Menschen mit „Erben“ verbindet. Hier wird der Blick in den Spiegel gewährt, dort zeigt eine Strickarbeit im Miniformat, was einem von vorangegangenen Generationen „mitgegeben“ wurde. Postkarten, Bilder, Gedichte, Malereien, alles ist dabei. Teils lassen sich Erläuterungen lesen, teils sprechen die Exponate als künstlerische Werke für sich. „Es sind nicht nur lustige, sondern auch ernste Geschichten“, sagte Kißleggs Bürgermeister Dieter Krattenmacher. Er macht auch deutlich, dass im „Fort Knox“ Kißleggs – und damit in der Volksbank – mit der Ausstellung Geld und Materielles eine eher untergeordnete Rolle spiele: „Es geht mehr um den Menschen.“

Um den Menschen geht es auch der Hospizgruppe, die die Wanderausstellung nach Kißlegg geholt hat. Deren Vorsitzender Matthias Dörrer durfte am Montagabend einen Scheck in Höhe von 1000 Euro aus den Händen von Marktvorstand Josef Hodrus in Empfang nehmen. „Laut einer Studie haben sich in Baden-Württemberg bisher nicht einmal 20 Prozent der Menschen mit dem Thema Erbschaft beschäftigt“, hatte Hodrus zuvor verkündet. Künstlerin Silvia Häfele gehört nicht zu dieser Minderheiten-Klientel.

Sie stieß bei einem Besuch bei Freunden auf das Thema, als eine Freundin ihr die Kopfschmerzen des Sohnes mit einem „Das hat er von mir geerbt“ erläuterte. Dies inspirierte sie, 200 Schachteln mit Anleitung an Freunde und Bekannte zu verschicken, an Frauen und Männer, an junge wie ältere Menschen. 63 Schachteln kehrten zurück. Sie sind nun Kern einer Ausstellung, die Kißlegg bereits als achten Ausstellungsort zählt. Für vier weitere ist sie bereits gebucht. „Ich merke, die Ausstellung macht etwas mit den Menschen“, sagte Silvia Häfele in Kißlegg: „Sie regt an, über die eigenen Dinge nachzudenken.“

 

Rund 100 Gäste bei der Eröffnung

Für Volksbank-Vorstand Josef Hodrus war es darüber hinaus „ein schönes Gefühl, in einer eigentlich großen Schalterhalle zu stehen, die zu klein ist.“ Platz gab es am Montagabend tatsächlich wenig: Rund 100 Gäste waren der Einladung zur Ausstellungseröffnung gefolgt. Musikalisch umrahmt wurde sie von Eva Seefelder und Karl Ehrmann. Und vermutlich fragte sich nicht nur Bürgermeister Krattenmacher: „Was bleibt von einem Menschen? Was hat ihn ausgemacht? Was können wir von ihm mitnehmen, wenn er geht?“ Es lohnt sich, darüber nachzudenken – und sich der „Erbschaftsangelegenheiten“ anzunehmen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. März geöffnet. Besucht werden kann sie von Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.15 Uhr und von 14 bis 16 Uhr (donnerstags bis 18 Uhr). Am Mittwochnachmittag bleibt die Ausstellung und Volksbank-Filiale geschlossen.